Donnerstag, 7. Juli 2011

"Ich bin nicht in Finnland!"..

..dachte ich, als ich mit Sand zwischen den Zehen in der Sonne am Meer lag.

 
Freitag war wirklich ein sehr warmer Tag. Nach Santeri´s Schläfchen fuhren wir zum Supermarkt und kauften ein paar Zutaten, welche ich für das Kuchenbacken später benötigen würde. Nach dem Mittagessen war keine Müdigkeit in Sicht, stattdessen erfreute sich Santeri am Wasser in seinem kleinen Planschbecken. Er kann sich so schön über die kleinen und simplen Dinge im Leben freuen. Ich habe meine Kamera leider viel zu selten mit Draußen, denn ich genieße einfach nur sein sonniges Gemüt!   Ich startete den Versuch, einen Kuchen zu backen und Santeri machte nur ein wenig Unsinn währendessen. Als Minnami nach Hause kam, hatte ich Feierabend und trödelte ein wenig vor mich hin, bis Tina hier ankam. Am Abend hatten Minnami und Mikko ein paar Dinge zu erledigen, also bot ich an, die "Schlafwache" zu übernehmen. Obwohl es ein drückend heißer Tag war, wurde ich darum gebeten, die Sauna anzufeuern. Ja, das hab ich dann tatsächlich gemacht und ich habe es hinbekommen in zwei Öfen ein brauchbares Feuer zu machen :) Ria ist stolz!   Tina und ich gingen natürlich trotz sommerlichen Temperaturen in die Sauna (bin ja süchtig!) und zum Abkühlen nach Draußen, wo es wahrscheinlich 22Uhr immernoch 25°C waren.. Naja.. Ein Lomgdrink sollte für zusätzliche Kühlung zwischen den Saunagängen sorgen und dann wollten wir eigentlich nur noch ins Bett, wurden aber von Minnami und Mikko zur Grill-Einweihung auf der Terrasse eingeladen. Sowas lehnt man nicht ab, auch wenn es 23Uhr ist. Hihi! Da saßen wir nun und genossen den Abend von Mikko´s letzten Arbeitstag. Der Urlaub hatte angefangen und mit der mitternächtlichen Stunde kam auch der Geburtstag meines Gastvaters. 

Samstag, 02.Juli: Alles Gute zum Geburtstag, Mikko!  
Um 7 schmiss mich der Wecker aus dem Bett und nach einer weckenden Dusche begann der Tag. Wir hatten alle Frühstück und Kuchen (es gab keine Beschwerden über meinen Orangenkuchen) und dann ging es mit dem Auto Richtung Hanko.  In Porkkalaniemi setzten wir Santeri, Minnami und Mikko am Hafen ab und Tina und ich fuhren weiter. Am späten Mittag kamen wir in Hanko an, wo an diesem Wochenende ein Segel-Fest stattfand, welches von jungen Menschen zum gnadenlosen feiern genutzt wird. Laute Musik, Volleyballturnier, Segelboote, Surfer und jede Menge bereits angetrunkene Leute tummelten sich am Strand und in der Stadt. Wir liefen ein wenig herum und genossen schließlich den Ausblick vom roten Wasserturm, nachdem ich in der Kirche nebenan eine Kerze für meinen Opa angezündet hatte.. 


Mit einem alten rostigen Fahrstuhl ging es in dem Turm nach oben, wo wir uns auf dem einzig vorhanden Stuhl niederließen und eine Schale Erdbeeren verputzten.


Eine Rundfahrt mit dem Auto zeigte uns die schönsten Ecken von Hanko und an einem empfohlenen Hafenrestaurant luden wir uns zum Gourmet-Lunch ein. Das Essen war zwar teuer, aber fantastisch und somit hatte es sich gelohnt! 
Unser Weg führte uns nach Tammisaari, wo wir mit Eis und Sonne den Strand belegten.. War das schön! 
Da glaub ich kaum, dass ich im kalten nördlichen Finnland bin..


Wir fuhren weiter von Raasepori Richtung Fegervik und die von meiner Gastmutter empfohlene Route war einfach der Wahnsinn! Neben schönen Aussichten auf die beeindruckende Landschaft Finnlands hatte es uns vor allem die Straße mit ihren zahlreichen abenteuerlichen Kurven und Hügeln angetan. Wir hatten so viel Spaß, als wir über die Straßen sausten und ich bekam mich kaum ein vor Freude :) Tina machte heimlich ein Video und wenn ich mir das anschaue, lach ich mich kaputt darüber, was ich für ein Unsinn von mir gebe! Whoooop!
Das Adrenalin der Fahrt hielt eine Weile an und wir kicherten wie verrückt!
In Inkoo trafen wir uns mit meiner Gastfamilie am Hafen und fuhren gemeinsam nach Hause, wo wir bei Tee, einer Flasche Wein und Kuchen den Abend und Mikko´s Geburtstag ausklingen ließen..

Sonntag, 3.Juli:
Nach dem Frühstück setzten sich Mikko, Santeri, Minnami, Tina und ich ins Auto mit dem Ziel: Tampere. Ein kleiner "Zwischenstopp" in Hämmenlinna gab mir auch von diesem Ort einen kurzen Eindruck und schließlich wurden Tina und ich im bewölkten, aber warmen Tampere aus dem Auto gelassen.
Im Tampere-Touristen-Reiseführer steht:
Gäbe die Stadt Ihnen die Hand, wäre der Händedruck fest und die Begrüßung freundlich lässig. So wie es zu einer kleinen "Metropole" mit offener, erfrischender Art eben passt. Gerade darin liegt auch einer der vielen Gründe für ihre Beliebtheit bei den Reisenden.
Ich finde diese Beschreibung sehr treffend. Tampere strahlt mit vielen Ziegelbauten und Schornsteinen, von Romantik keine Spur, aber die "etwas andere Stadt" hat mir dennoch gefallen.
Tampere ist die drittgrößte Stadt Finnlands (1.Helsinki,2.Espoo). Die Stadt liegt auf einer Landenge zwischen den Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi, eingebettet in eine Hügellandschaft.
Desweiteren weist Tampere eine bemerkenswerte Vergangenheit als Industriestadt auf- zum Beispiel Baumwollfabrik Finlayson (meine Kochschürze, die ich mir vor vielen Wochen gekauft habe ist davon).

Wir liefen ein wenig am Hafen und in der Stadt umher und vertrieben uns so die Zeit bis zur Stadtrundfahrt, welche 14Uhr begann.

Ein großer Reisebus chauffierte 3 finnische und 2 deutsche Touristen, sowie eine charmante Reiseleiterin und den schweigsamen Busfahrer 2 Stunden durch die Stadt. Extra für uns bemühte sich die nette Dame ihre Geschichten ins Deutsche zu übersetzen und bekam das erstaunlich gut hin.
Der Dom von Tampere war leider wegen einer Taufe geschlossen, sodass wir nur von außen einen Eindruck bekamen..


An einer Kirche (Kalevan Kirkko) der anderen Art machten wir einen Stopp und bestaunten das eigensinnige Bauwerk von innen und sogar von oben, weil wir zufällig den Glockenmeister trafen, welcher uns hinauf führte..


Die Stadtrundfahrt ging mit vielen Geschichten weiter und wir machten auch nochmal ein Halt an einem kleinen Aussichtspunkt.



Gegen 16Uhr war die Rundfahrt vorbei..


..und für Tina und mich ging es zu Fuß weiter, nachdem wir uns ein bisschen Kaffee und Entspannung gegönnt hatten..


Unser Weg führte uns zu einer russisch-orthodoxen Kirche..

..und schließlich wieder zum Finlayson-Gebäude..


..bis hin zum Hafen Mustalahti, wo wir uns mit meiner Gastfamilie verabredet hatten.
Mit voller Besatzung fuhren wir nach Pyynikki zum Aussichtsturm und hatten in dem bekannten Café im Turm einen der bekannten Munki´s (Donut).

die "Lamminpää-Männer"


Die Fahrt nach Hause ging relativ schnell und dann verabschiedete ich Tina bevor ich mich meinem Bett näherte..
Viel gesehen, viel erlebt, Verarbeitung im Schlaf und in den folgenden Tagen..

Montag, 4.Juli:
Der Tag begann grau und es war ein wenig frischer als am Wochenende, aber einem außergewöhnlichen Tag mit Santeri stand nichts im Weg. Als er von seinem frühen Schäfchen erwachte, kam seine 16jährige Cousine Nuppu an, welche diese Woche zur Unterstützung bei uns ist. Gemeinsam aßen Mikko, Nuppu, Santeri und ich zu Mittag und während Mikko weiter den Garten aufräumte, fuhren wir drei zum Einkaufen ins Lidl und Alepa. Die Zeit für den Mittagschlaf rückte schnell heran, aber obwohl Santeri sichtlich müde war, dauerte es eine Weile, bis er im Kinderwagen einschlief.
Meinen Feierabend vertrödelte ich mit Blog schreiben und sinnlosen sowie sinnvollen Dingen im Internet.

Dienstag, 5.Juli:
Die "Frühschicht" begann um 8 und verbrachten Santeri und ich im Garten. Nach Feierabend fuhr ich nach Lahti zu Tina. Gegen 15:30Uhr kam ich bei ihr an und war erstmal kaputt. Tina schaute auch ein wenig müde in die Welt und deswegen gabs Käffchen und Kuchen, ein bisschen rumschauen und rumliegen hier und da, bis Tina´s Gastfamilie ein Burrito-Tacco-Dinner auftischte und wir uns die Mägen vollschlugen.. Dann wollten wir zum Orientierungslauf und nahmen Tina´s kleinen Schützling Arttu mit.-Ein hyperaktives, unerzogenes, 6jähriges Kind. Er freute sich, mit zwei großen Mädels in den Wald zu fahren, aber als wir ankamen, war das Event leider schon vorbei. Wir trafen noch ein paar der Veranstalter, welche uns eine Karte vom Gelände schenkten und so suchten wir uns unseren eigenen Weg und ließen Arttu fast die doppelte Strecke (vor und zurück und wieder vor) rennen, damit er müde wird. Dank unserer Renn-Spiele-Kreativität haben wir es geschafft!
Allerdings waren Tina und ich auch ordentlich kaputt. Mit dem Auto ging es noch zu ein paar sehenswerten Punkten in Lahti und schließlich nach Hause, wo wir nach einer Runde mit dem Hund und nach einer wohltuenden Dusche ins Bett hüpften. Gequatscht wurde trotzdem noch bis wir in einen unruhigen Schlaf fielen..

Mittwoch, 6.Juli:
Am Vormittag waren wir mit den Kids auf dem Spielplatz und nach dem Mittagessen fuhr ich wieder nach Tuusula, wo 14Uhr meine "Spätschicht" begann. 
Ich hatte Santeri tatsächlich ein wenig vermisst und umso schöner war es, dass er so verschmust bei der Begrüßung war. Im Laufe des Nachmittages und Abends entwickelte ich mütterliche Gefühle. Es war so schön, ihn zu beobachten und mit ihm zu spielen.



Nach dem Nachmittags-Snack fuhren Nuppu, Santeri und ich zum See. Erst wollte er nicht so richtig ins Wasser und dann hatte ich Probleme, ihn herauszubekommen. Er sah wieder zum Knuddeln aus mit seiner Schwimmweste.


Zu Hause angekommen, war Minnami mittlerweile da und ich freute mich mindestens genauso doll, sie zu sehen, wie es Santeri tat. Wir hatten uns Montagabend das letzte Mal gesehen, aber mir kam es viel länger vor..
Es gab Lasagne zum Abendessen, Santeri und ich stolperten ein wenig im Garten herum und schließlich gab ich ihm sein Bad, weil er sichtlich müde wurde. Ein bisschen Joghurt als "Betthupferl" und schließlich hielt ich ihn wiegend in meinen Armen bis er einschlief.. Ein wahnsinnig schönes Gefühl. 
Ich will jetzt aber kein eigenes Baby, nicht dass hier irgendwelche Gerüchte entstehen ..

Ich schreib ganz bald wieder hoffentlich und alles will ich ja auch nicht schreiben, denn dann hab ich nichts mehr, was ich erzählen kann, wenn ich in 13 Tagen nach Hause komme.


Es winkt aus dem Norden die Ria.


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